Ausflug nach Schönau im Oktober 2013

Wer nicht dabei war, hat etwas verpasst. Dieses Gefühl hatten die sechs Teilnehmer unseres Ausflugs nach Schönau am Samstag, 12. Oktober. Mit zwei Autos ging’s um 13 Uhr los, nach einer Dreiviertelstunde kamen wir am Heimatmuseum „Klösterle“ an. Das Gebäude war früher eine Gerberei und bekam seinen Namen wegen der Ordensschwestern aus Hegne, die hier bis 1959 wohnten. Sie waren in der Gemeindepflege und im Kindergarten tätig. Danach zerfiel das alte Haus zusehends. Der Förderverein und die Stadt Schönau bewirkten eine Grundsanierung und 1988 die Eröffnung des Heimatmuseums.

Hier sind die Fotos

Es beherbergt alte Schriften und Dokumente, Geräte und Gebrauchsgegenstände aus früheren Zeiten. Auch an Modellen wird gezeigt, wie die Menschen früher lebten, wie und wo sie arbeiteten und gibt Auskunft über ihre Sitten, Bräuche und ihre Religion.

Zunächst wurden wir begrüßt von Hildegard Seger, die auch eine kleine Publikation über das Klösterle verfasst hat. An den Wänden des kleinen Vortragsraumswaren schöne Aquarelle der Schönauer Künstlerin Renate Schmidt zu sehen, die hier gerade ausstellt. Als Besonderheit wurde zum Auftakt der Videofilm gezeigt, den der Klösterle-Förderverein über die am Hang oberhalb der Stadt auf dem „Haideck“ identifizierte Wallgrabenanlage angefertigt hat. Christine Stiegeler, Vorsitzende des Fördervereins und Hobby-Historikerin, erläuterte die Vorgeschichte dieser Entdeckung. 1927 war man das erste Mal auf die Anlage aufmerksam geworden. Anhand eines Boden-Scans wurde erst jüngst endgültig bestätigt, dass es sich um etwas ganz Besonderes handelt. Ob aus der Zeit vor Christus oder danach, ob keltisch oder frühmittelalterlich, das ist aus Sicht des Landesdenkmalamtes die Frage. Möglich ist, dass die Anlage mit den Anfängen des Bergbaus in Verbindung steht, schließlich gab es in Schönau ebenso wie in Todtnau Silbergruben. Unsere Archäologin Sophie Hüglin war hier genau die Richtige. Als von einem Scherbenfund aus der Zeit um 800 erzählt wurde, schien sie Feuer gefangen zu haben und vereinbarte spontan eine Besichtigung für den folgenden Sonntag. Der Fördervein ist sehr interessiert an einer näheren Erforschung, vielleicht ergibt sich daraus ja mal ein studentisches Projekt.

Bei einem Rundgang durch das Museum zeigte Hildegard Seger die älteste Karte der ehemaligen vorderösterreichischen Talvogtei Schönau. Ein Bergbau-Modell zeigt anschaulich, wie mit Hilfe von Wasserkraft die Bodenschätze gewonnen wurden. Eine Karte der alten Saumpfade im Schwarzwald ist ebenso zu sehen wie altes Werkzeug, die Schönauer Tracht und ein Modell der Kirche. Das „Münster des Wiesentals“ wurde erst 1904 an Stelle der kleinen Vorgängerkiche erbaut, die noch den Markgräfler Kirchen ähnelte. Bürgermeister Peter Schelshorn hatte sich Zeit genommen, um mit uns mehr als 200 Stufen hinaufzusteigen zum Glockenstuhl und noch höher, um uns von dort oben die Stadt zu zeigen. Vor dem Vier-Uhr-Läuten sollten wir möglichst wieder unten sein, hieß es, aber dann hörten sich die meisten das Geläut doch aus nächster Nähe an, und erstaunlicherweise hielten sich nicht mal alle die Ohren zu. Die Kirche war einst ausgelegt für etwa 2500 Gläubige, berichtete der Bürgermeister. Wenn’s hoch kommt, sind es heute bei besonderen Festen vielleicht 800.

Draußen in der Talstraße steht vor der alten Gerichtslinde (hier wurde einst das letzte Todesurteil gesprochen) der Schönauer Hirsch, das Wappentier. Er wird immer wieder neu dekoriert und trug zum Beispiel bei der Fußball-WM das Nationaltrikot, auch als Hommage an Jogi Löw, der übrigens beim 900-Jahr-Fest im Juli ganz unverhofft mal schnell beim Empfang der ehemaligen Schönauer vorbeischaute.

Nach der Kirchenbesichtigung wurde es Zeit für eine Kaffeepause, dann folgte eine kleine Odyssee auf der Suche nach einem schönen Speiselokal. Ohne Reservierung hatten wir keine Chance, schließlich landeten wir auf dem Umweg über Tunau und Brombach in Lörrach in einem afghanischen Restaurant.

Für alle, die nicht dabei gewesen sind, wird es sicher wieder mal eine Gelegenheit geben für einen Schönau-Besuch.

Hermann Jacob

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