Fundbericht

Sensationeller Fund durch den 1. Vorsitzenden des Geschichts- und Museumsvereins Vorderes Kandertal in Eimeldingen (Agimotingas).

Unsere Archäologin Dr. Sophie Stelzle-Hüglin gibt folgenden Fundbericht:

 

Ort: Eimeldingen, Lkr. Lörrach, (Gewann Im Eulenspiegeloder Im Bruckacker?), Markgrafenstraße, Baugebiet Eulenspiegel II, Bauplatz 3620, Baugrube Evelyn u. Hans-Joachim Strauß, im Profil der Ostwand.
Datum: Samstag, den 11.02.2006, 11 Uhr
Objekt: frühmittelalterliches Körpergrab mit Beigaben
Funde: "Spatha"-Fragment und weitere zunächst nicht sicher bestimmbare Eisen- und Buntmetallobjekte (geborgen); weitere Eisenobjekte sowie Menschenknochen (in situ verblieben)
Fundverbleib: noch am 11.02.2006, ca. 16 Uhr an Bürgermeister Hansjörg Rupp (Tel.: 07621 62591) übergeben; momentan im Rathaus in Eimeldingen
Finder: Dr. Dietmar Hüglin, Bläsiring 1, 79576 Weil am Rhein, Tel.: 07621 69179 (abends privat) bzw. 0041 61 6365599 (tagsüber dienstlich
Bericht: Dr. Sophie Stelzle-Hüglin, Bläsiring 1, 79576 Weil am Rhein, Tel.: 07621 69179 (abends privat) bzw. 0041 76 4329318 (tagsüber dienstlich)

Bereits am Dienstag, den 7.02.2006 erhielt ich einen Brief von Bürgermeister Rupp, in dem er mich über die neuen Ergebnisse zu dem Skelettfund vom 6.10.2005 aus der Markgrafenstraße in Eimeldingen informierte. Nach den nun vorliegenden Ergebnissen der C14-Datierung dürften die damals gefundenen Knochen „aus dem Jahr 550 n. Chr. stammen“ (vgl. Schreiben der Polizeidirektion Lörrach, Kriminalpolizei vom 3.02.2006 per Fax an das Regierungspräsidium Freiburg, Referat 25, Archäologische Denkmalpflege). Am 8.02.2006 traf ich mich um 18 Uhr mit Herrn Rupp und wir fuhren noch zur Baugrube Strauß (Bauplatz 3620) hinaus, die gerade in unmittelbarer Nachbarschaft zum Fundort der Skelettteile ausgehoben worden war. Herr Rupp meinte, in der Bauwand möglicherweise eine Grabgrube gesehen zu haben, was sich aber in der Dunkelheit nicht überprüfen ließ. Am kommenden Tag kontrollierte ich über Mittag die Baugrubenwandung, konnte aber keinen eindeutigen Befund entdecken.

Am Samstag, den 11.02.2006, besuchten mein Mann sowie in der Nähe wohnende Angehörige des Geschichts- und Museumsvereins Vorderes Kandertal e.V. (Elisabeth Güntert-Leber, Herbert Leber, Bernd Holtze, Ortrun Störzel) und ich die Baustelle erneut. Ich sprach mit dem Baggerfahrer, der gerade dabei war, den Aushub einer weiteren westlich anschließenden Baugrube (Bauplatz 3621) abzuschließen, über die Möglichkeit, dass hier frühmittelalterliche Gräber zum Vorschein kommen könnten. Er war interessiert und aufgeschlossen, nachdem er bereits von Herrn Rupp informiert worden war, hatte aber nichts entsprechendes bemerkt. Währenddessen war mein Mann in die bereits ausgehobene und mit einer betonierten Bodenplatte versehene erste Baugrube (Bauplatz 3620) gestiegen. In der Ostwand entdeckte er einen länglichen eisernen Gegenstand, der sich herausziehen ließ. Es handelt sich nach erstem Augenschein um das Fragment einer "Spatha" mit anhaftenden Holzresten der Schwertscheide. Die Griffangel der Spatha befand sich in ca. 0,55 m Höhe über der Oberkante, ca. 1,40 m waagerecht von der Ostkante und 2,85 m waagerecht von der nördlichen Flucht bzw. der Nordostecke der betonierten Bodenplatte entfernt. In der Baugrubenwandung zeichnet sich u-förmig die Grabgrubenverfüllung ab, deren Boden eine dünne Schicht aus Holzkohle, vergangenem organischem Material und verrosteten Eisenobjekten aufweist. Die Grabgrubenunterkante liegt ca. 1,80 m unter der derzeit unbefestigten Oberfläche. Das Grab scheint etwa mittig gekappt zu sein; bei anzunehmender West-Ost-Ausrichtung des Toten würden damit Kopf und Oberkörper fehlen bzw. sich im danebenliegenden Aushub befinden. Die Spatha lag nahe des südlichen Randes der Grabgrube also vermutlich längs an der rechten Körperhälfte, der Griff wies nach Westen. Weiter südlich bzw. rechts neben der Spatha steckt noch ein grösseres längliches Eisenobjekt, bei dem es sich möglicherweise um einen "Sax" handeln könnte. Ganz am nördlichen bzw. linken Grabgrubenrand zeichnen sich vermutlich menschliche Langknochen ab, die in situ belassen wurden. Im losen Erdreich vor dem Profil fanden sich weitere Eisen- und Buntmetallobjekte, die mit Sicherheit aus der Grabgrube stammen. Darunter zwei Objekte aus Eisen, z.T. mit Buntmetallnieten, bei denen es sich um Teile einer Gürtelgarnitur handeln könnte, sowie um ein weiteres Eisenobjekt mit einem kleinen nierenförmigen Blechbeschlag aus Buntmetall, das zur Spathascheide gehören könnte.

Nach der Bergung der losen Funde und der fotografischen Dokumentation der Befundsituation, informierte ich die Polizei und bat sie, die Markgrafenstraße auf ihren Streifenfahrten mit einzubeziehen, damit die Fundstelle bis zum kommenden Montag ungestört bleibt. Am Nachmittag erreichte ich Bürgermeister Rupp. Wir trafen uns mit ihm um 16 Uhr an der Fundstelle und übergaben ihm die gesicherten Funde, damit er sie am Montag an die Archäologische Denkmalpflege weiterreichenkann.

Sophie Stelzle-Hüglin, den 12.02.2006

 

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Das Schwert am Fundort

 


(v.l.): Dr. Dietmar Hüglin, Dr. Sophie Stelzle-Hüglin

 


Und wir waren dabei.

Die Badische Zeitung schrieb dazu am 15.02.06:

Wehrhafter Alamanne mit Schwert

Beim genauen Blick in die Baugrube steht ein Schwert aus dem Rheinkies / Knochen und Beigaben aus dem 6. Jahrhundert

Von unserem Redakteur Martin Pfefferle

 


EIMELDINGEN. Das Baugebiet im “Eulenspiegel” erweist sich als Fundstätte aus alamannischer Siedlungsgeschichte. Nach dem Schädel (wir berichteten) entdeckten die Archäologin Dr. Sophie Stelzle-Hüglin und Dr. Dietmar Hüglin einen noch spektakuläreren Fund.

Dieser ist gestern von den Mitarbeitern der Archäologischen Denkmalpflege im Regierungspräsidium Freiburg kartiert und geborgen worden. Dabei handelt es sich um Skelettknochen und Reste von Grabbeigaben. Die Datierung ist vergleichsweise präzise zu schätzen. Die Grabungsarbeiter der Behörde, Thomas Wehler und Ingo Hofmann, ordnen die Funde der Mitte des 6. Jahrhunderts zu. Sowohl diese Epoche als auch die Beigaben (unter anderem ein Kurz- und ein Langschwert) sprechen dafür, dass es sich bei dem Mann um einen alamannischen Wehrbauern handelt. Die Alamannen waren in Gruppen organisiert, trugen aber selbst Waffen — sowohl zur Selbstverteidigung wie auch aus Repräsentationsgründen. Das in Eimeldingen geborgene


Ingo Hofmann bei der Vermessung, die Überreste des Langschwertes mit einer hölzernen Scheide und d ...mehr
Kurzschwert, ein Sax, war gut 45 Zentimeter lang und vermutlich 8 Zentimeter breit. Das Langschwert, Spatha, das im Laufe der Jahrhunderte oder beim Baggern brach, misst gut 80 Zentimeter in der Länge und war 10 bis 12 Zentimeter breit. Inwieweit es für den Gebrauch als Waffe bestimmt war, lässt sich nicht mehr sagen. “Es gab damals ungeschliffene und geschliffene Schwerter” , so Ingo Hofmann.

Das Ehepaar Stelzle-Hüglin hatte die Funde persönlich bei Bürgermeister Hansjörg Rupp abgegeben. Dieser sorgte dann für den entsprechenden Informationsfluss, um die beschädigten Objekte möglichst schnell und schonend bergen zu können. Während prinzipiell die Interessen der Bauleute und auch der Gemeinden der Archäologie entgegenliefen, seien sie vom Zusammenwirken in Eimeldingen angetan, betont Thomas Wehler: “Es gibt auch keinen Grund, Angst vor Funden zu haben, denn wir bemühen uns, schnell zu arbeiten.”

Sie rechnen beide nicht damit, dass es zu größeren Verzögerungen auf der Baustelle kommen wird. “Dazu sind die Funde nicht gut genug erhalten. Außerdem handelt es sich nicht um ein komplettes Gräberfeld.” Der Bodengrund aus Rheinkies erschwere eben nicht nur das Arbeiten in der Grube, sondern führe auch dazu, dass den Objekten der Zahn der Zeit anzusehen sei.

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