Vortrag über den Markgräfler Jaspis

In einem Vortrag beim Geschichtsverein Vorderes Kandertal am 8. Mai 2009 referierte Michael Kaiser aus Freiburg , der im Historischen Museum Basel arbeitet, in der „Sonne“ Rümmingen über die „Kulturgeschichte eines Feuersteins, des Markgräfler Jaspis, von der Altsteinzeit bis in die Moderne“.

Michael Kaiser erläuterte die 155 Millionen Jahre alten Lagerstätten des weißen Jaspis am Isteiner Klotz, Fundstätten von Werkzeugen aus der Zeit des Neandertalers (130000 bis 35000 vor Christus) bei Feldberg, wo während des Gravettien (26000 bis 21000 vor Christus) auch Speerspitzen aus dem rötlichen Bohnerz-Jaspis hergestellt wurden, sowie über das 1939 entdeckte Feuerstein-Bergwerk bei Kleinkems (4250 bis 4050 vor Christus). Erst jüngst wurden dort in einem Steinbruchgelände erneut über 80 Steinhämmer gefunden, die bei der Feuersteingewinnung verwendet wurden.

Schlagplätze und Abraumhalden zeugen zudem auch im Waldgebiet zwischen Hertingen und Liel von der jungsteinzeitlichen Feuersteingewinnung, berichtete Kaiser. Diese setzte mit der intensiven Besiedlung des Markgäfler Hügellandes seit der Zeit um 4300 ein, worauf zahlreiche archäologische Fundstellen schließen lassen.Wenn man einen solchen Feuerstein gegen ein Metallstück schlägt, gibt es Funken. Solche Zündsteine, die zumindest der Fachmann auf den Feldern bei Liel finden kann, waren begehrt und wurden einst auf Wochenmärkten von Bauern und Bergleuten angeboten. Als Flintensteine wurden sie auch für Steinschloss-Gewehre verwendet.
Seit dem Mittelalter war der farbenprächtige Markgräfler Bohnerz-Jaspis auch als Edelstein begehrt und wurde vielerorts zu Perlen, Messergriffen, Schnupftabaksdosen, Gefässen und anderem mehr verschliffen. Eine größere Edelsteinschleiferei in der dies geschah existierte in der Freiburger Gerberau (heute Feierling-Brauerei), die in alten Quellen von 1565 bis 1775 als Haus „Zum kristallenen Eck“ genannt wurde. Seit Ende des 16 Jahrhunderts wurde Markgräfler Bohnerz-Jaspis nachweislich in Prag und Florenz für kostbarste Steinintarsia (Commessi in Pietre dure) verwendet. Von der kunstgewerblichen Verarbeitung des Markgräfler Jaspiszeugen in zahlreichen europäischen Museen aufbewahrte Objekte sowie bis heute in verschiedenen Schleifereiorten erhalten Restbestände dieses „Markgräfler Edelsteins“, auf die noch immer gerne zurückgegriffen wird.jaspis 2

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